Danke für die Frage. Die Grünen Wien müssen sich für den sehr wahrscheinlichen Fall, dass die SPÖ ihre absolute Mehrheit verliert bereits jetzt vorbereiten. Nach dem Wahltag eine Taktik dafür zu entwickeln wäre natürlich viel zu spät. Wenn sich nach den Wahlen rot-grün in Wien rechnerisch ausgeht - alles andere wäre eine riesige Überraschung - sollten die Grünen eine Koalition mit der SPÖ für eine gemeinsame Wiener Stadtregierung eingehen. Für eine solche Koalition muss natürlich der Boden aufbereitet werden. Ich sehe derzeit bei der SPÖ eine viel größere Bereitschaft eine Koalition mit der ÖVP einzugehen, was mir gar nicht gefällt. Die ÖVP mit ihren Machtansprüchen auch in Wien in eine Regierung zu lassen, nachdem das ganze Land spürbar nach rechts rückt, ist ein unerträglicher Gedanke für mich! Die Taktik der Grünen liegt für mich daher auf der Hand: jene Kräfte in der SPÖ müssen angesprochen und gestärkt werden, die sicherlich auch keine rot-schwarze Koalition in Wien wollen, das sind allen voran die Wiener Künstlerinnen und Künstler. Den Wählerinnen und Wählern zu vermitteln, dass wie auch immer diese kommende Wien-Wahl ausgehen wird, die SPÖ den Bürgermeister bzw. die Bürgermeisterin stellen wird und nur eine Stimme für die Grünen auch eine Chance für rot-grün in Wien ist. Wer die SPÖ wählt, wählt einen Harry Himmer oder eine Ursula Stenzel als Vizebürgermeisterin.
Alexander Spritzendorfer
Schwerpunkte: Wirtschaft, Schulen, Kultur
Meine Website: http://www.spritzendorfer.at
Ich stehe für eine profilierte Kulturpolitik in einem weltoffenen Wien des 21. Jahrhunderts, für ein "grünes Wien".
Bio
47 Jahre
Wohnort: Josefstadt
Geboren 1963 in Wien, aufgewachsen in Wien, Offenbach und Zürich als Sohn eines Schauspielers und einer Apothekerin. Matura 1981 am BRG in Krems. Studien in Wien und Graz. Konservatorium Graz, klassische Violine. Musik, Tennis, Schach, Tauchen. Konzertveranstalter, Gründung des Plattenlabels Spray Records 1986. Musikverleger, Künstlermanager und Plattenproduzent bis 2003. Kunsthalle, Kulturreferat im Grünen Parlamentsklub, Landesgeschäftsführer Die Grünen Kärnten, Klubsekretär Die Grünen Niederösterreich. Seit 21 Jahren Lebensgemeinschaft mit Gerda, ein Sohn Constantin.
das Programm der Grünen für die Josefstadt: hier online http://www.spritzendorfer.at/?p=1115 & heute abend ab 18h im Volkskundemuseum.
am Donnerstag um 10:11 von Spritzendorfer
Fragen & Antworten
Was ist deine Motivation dich im Rahmen der Wiener Grünen politisch aktiv zu engagieren?
Nach 5 Jahren Mitarbeit bei den Grünen in unterschiedlichen Funktionen, ist die respektvolle Distanz vor einem Mandat zunehmend dem Wunsch gewichen, Verantwortung zu übernehmen und insbesondere in den Bereichen Kultur- & Bildungspolitik meine langjährige Erfahrung aus der Praxis einbringen zu können und in Wien mit gestalten zu wollen. Die Grünen brauchen ein klares Profil als Kulturpartei.
Was sind die bestimmenden Herausforderungen für Wien in den nächsten 10 Jahren?
Durch eine gerechte Verteilung von Mitteln und Ressourcen den gesellschaftlichen Frieden zu bewahren. Dazu gehören nicht nur materielle Mittel sondern auch Güter wie Bildung und Kultur. Die individuellen Talente der Menschen zu fördern, ihnen gleiche Chancen für ein glückliches und selbstbestimmtes Leben in einer gerechten Gesellschaft zu ermöglichen ist das Ziel.
Was ist deine ungewöhnlichste/innovativste Idee die Herausforderungen zu bewältigen?
Kultur im Alltagsleben sicht- & hörbar machen. Die Wiener U-Bahnen für MusikerInnen und KünstlerInnen zu öffnen (siehe Paris & London: "let the music transport you"). Die Wiedereroberung des Öffentlichen Raumes durch die Kunst in Form von Installationen, Aktionismus, Malerei und Musik. Ergänzend muss im Schulbereich ein Schwerpunkt auf die Vermittlung von "ästhetischer Bildung" gesetzt werden.
Frag mich was!
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Gesetzt den Fall, die SPÖ verliert die absolute Mehrheit im Gemeinderat: Welche Taktik sollten die Grünen deiner Meinung nach dann einschlagen?
Michael Vesely fragte 6.11.2009
Du kandidierst u.a. zum Thema "Wirtschaft", ein Thema, das in deiner Bewerbung nirgendwo vor kommt. Dort geht es ausschliesslich um Kulturpolitik. Wieso soll ich - ein Wiener Unternehmer - deine Kandidatur unterstützen?
Lieber Michael Vesely, danke für die Frage! Ich habe neben meinem Themenschwerpunkt Kulturpolitik, die Themen Bildung und Wirtschaft gewählt, weil beide viel mit Kultur zu tun haben. Zur Wirtschaft: ich kenne aus meiner eigenen langjährigen Erfahrung als selbständiger Unternehmer die Bedürfnisse und Probleme kleiner Wirtschaftstreibender. Gerade im Kreativbereich gibt es unzählige selbständige Ein-Personen-Unternehmen, die oft mit dem wirtschaftlichen Überleben kämpfen. Es gibt dazu 2 interessante Studien: die Studie zur sozialen Lage der Künstlerinnen und Künstler in Österreich vom November 2008 (http://is.gd/4OOzQ) und der Bericht über die Ökonomischen Wirkungen geförderter Kunst & Kultureinrichtungen in Wien vom August 2009 (http://is.gd/4OOwe). Es ist dramatisch, dass das mittlere Äquivalenzeinkommen der Kunstschaffenden mit ca. € 1,000.- nur knapp über der Armutsgefährdungsgrenze von € 900.- liegt. Unsere Gesetzeslage nimmt zu wenig Rücksicht auf die Beschäftigungsmodelle von Künstlerinnen und Künstlern und ihre oft prekäre wirtschaftliche Situation. Wir haben ein schlechtes Künstlersozialversicherungsgesetz und ein System, das nicht flexibel genug darauf eingeht, dass nach Zeiten guter Einkommenslagen auch Zeiten mit geringem Einkommen folgen. Alle Einstufungen orientieren sich an den fetten Monaten. Für viele Künstlerinnen und Künstler bedeutet das einen permanenten Stress. Wir müssen aber Kreativität fördern, nicht Existenzängste schüren. Das wirtschaftliche Potential österreichischer Kulturproduktion wird nach wie vor unterbewertet. Darauf weist auch die zweite erwähnte Studie des IHS vom August 2009 hin, wonach jeder Euro an Subvention mit dem Faktor 2,3 an die Wirtschaft und die öffentliche Hand zurückfließt. An einer erfolgreichen Kulturpolitik hängen also nicht nur unzählige Arbeitsplätze (laut IHS Studie sind rund 100,000 Beschäftigte in Wien im Bereich der Creative Industries tätig, das sind rund 14% der arbeitenden Bevölkerung), er weist auch ein enormes Wachstumspotential auf. Da ich in dem Bereich der Creative Industries einen für Wien enorm wichtigen Wirtschaftsfaktor sehe, habe ich als drittes Thema „Wirtschaft“ gewählt - zugegeben, auch hier mit einem Schwerpunkt auf Kultur als Wirtschaftsfaktor.
Was hindert die Künstlerinnen, den öffentlichen Raum wieder zu gewinnen? Wie kannst du dem als Mandatar entgegenwirken?
Danke für die Frage! Teils hindern Gesetzeslagen, Bestimmungen & Rahmenbedingungen. Wenn die Wiener Linien "Hausieren & Musizieren" verbieten, hindert das die KünstlerInnen den öffentlichen Raum von U-Bahnen für sich in Anspruch zu nehmen. Lange Gesichter in kunstfreien Zonen sind die Folge. Paris, London, Madrid geht ganz anders zB mit dieser Form der Nutzung des öffentlichen Raumes um und öffnet seine U-Bahnen für KünstlerInnen und MusikerInnen. Als Mandatar würde ich es anstreben, das auch für die Kulturstadt Wien umzusetzten. Ich würde mich dafür einsetzen, den öffentlichen Raum mit guten Konzerten zu überraschen, aber auch mit visuellen Eindrücken (künstlerische Projektionen auf Hausbaustellen, überdimensionale Objekte) aufzufrischen. Am Schnittpunkt von Nord und Süd, von Ost und West liegt Wien als großartige Stadt. Die starken positiven Energien der Menschen an diesem Schnittpunkt künstlerisch spürbar, sichtbar und erlebbar zu machen muss Aufgabe einer aktiven Kulturpolitik in Wien sein. Das verwalten einer malerischen Touristenkulisse, der Soundtrack für das verklärt-historische Wien ist mir zu wenig.


8:47 Ich kandidiere! Alexander Spritzendorfer
5:45 Alexander Spritzendorfer - Platz 23
6:30 Daniel Cohn-Bendit (ελληνικοί υπότιτλοι) sur ...
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DJ Spray