Vielen Dank für deine Frage: Wir sollten auf jeden Fall für Gespräche offen sein. Wir Grüne sind bereit, Verantwortung für diese Stadt zu übernehmen und haben sowohl die Qualifikation als auch die Wille dazu. Wir gestalten diese Stadt erfolgreich auf Bezirksebene und auf Landesebene seit Jahren mit. Eine Rot-Grüne Koalition ist für mich gut vorstellbar, aber es hängt von den Regierungsverhandlungen mit der SPÖ ab. Ein Regierungsprogramm für Wien muss für uns Grüne gut vertretbar und tragbar sein. Keine Heuchlerei und Augenwischerei, sondern ehrliche und Nachhaltige Politik machen, die allen Menschen in Wien das Leben erleichtert. Gespräche mit der ÖVP lehne ich nicht ab. Aber ich denke nicht, dass das uns viel bringen kann, denn mit dieser konservativen und immer mehr nach rechts rückende ÖVP ist eine Koalition nicht möglich. lieben Gruß zerife
Zerife Yatkin
Schwerpunkte: Schulen, Integration, Demokratie & Menschenrechte
Migration und damit einhergehende Diversität als Reichtum sehen und diesen für Wien nutzen.
Bio
36 Jahre
Wohnort: Ottakring
- Gymnasium in der Türkei
- Feministisches Grundstudium, Wien
- Managing Gender and Diversity, Wien
- seit 2001 Bezirksrätin Grüne Alternative Hernals (Themen: Menschenrechte, Minderheiten, Integration, Bildung, Gender)
- Geboren in der Türkei als Araberin lebe ich seit 1990 in Österreich. In den Jahren meiner Arbeit sowohl bei den Grünen als auch mit MigrantInnenvereinen habe ich viel an Erfahrung und Wissen im Integrationsbereich gesammelt. Ich möchte nun meine Fähigkeiten auf Gemeindeebene zur Verfügung stellen.
Fragen & Antworten
Was ist deine Motivation dich im Rahmen der Wiener Grünen politisch aktiv zu engagieren?
Die ehrliche und kantige Politik auch in den Bereichen Frauen und Migration. Meine Forderung nach Integration richtet sich an alle Menschen in Wien. Rassismus gibt es leider in allen Kulturen und in allen sozialen Schichten. Als eine unermüdliche und optimistische Kämpferin möchte ich mit Unterstützung der Grünen quer durch die Kulturen um mehr Verständnis und Akzeptanz kämpfen.
Was sind die bestimmenden Herausforderungen für Wien in den nächsten 10 Jahren?
Überalterung der Gesellschaft und rückläufige Bevölkerungszahlen. Ein gerechtes Sozialsystem für alle Menschen. Unser Zwei-Klassen-Bildungssystem durch Reformen, die Chancengleichheit gewährleisten, abschaffen. Die Jugendarbeitslosigkeit vor allem bei MigrantInnen senken. Das friedliche Leben verschiedener Kulturen miteinander und nicht nebeneinander zu gewährleisten.
Was ist deine ungewöhnlichste/innovativste Idee die Herausforderungen zu bewältigen?
Die (schnellere) Anerkennung von im Ausland (vor allem im Herkunftsland) erworbenen Qualifikationen. Abgesehen davon, dass sich dadurch die Lebenssituation vieler MigrantInnen wesentlich verbessern würde, könnte auch die Stadt Wien Ressourcen, die bisher am Arbeitsmarkt ungenutzt blieben, besser ausschöpfen.
Frag mich was!
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Gesetzt den Fall, die SPÖ verliert die absolute Mehrheit im Gemeinderat: Welche Taktik sollten die Grünen deiner Meinung nach dann einschlagen?
Bernhard Lascy fragte 20.10.2009
Liebe Zerife, hast du eine Erklärung dafür warum man in Österreichs Schulen kaum darüber lernt, woher das Wissen auf das Europa so stolz ist, kommt. Hätten die Kreuzritter nicht alles mögliche zusammen geraubt, dann sähe es hier finster aus. Wozu als Angst vor "Fremden" haben, die sind eine Bereicherung.
Lieber Berhard, Es ist der gleiche Grund, warum in der Türkei nichts über den Genozid an den Armenier gelehrt wird. Ich habe als Kind nur grausame Geschichten über die Kreuzritter gehört und mich immer von ihnen gefürchtet, aber nicht nur von den Kreuzrittern ;o). Ja MigratInnen sind ein Reichtum auf allen Ebenen in dieser Stadt. Wenn wir die Statistik anschauen, jede/r dritte/r Unternehmer/in in Wien hat eine Migrationshintergrund. Mit ihrer Sprache, ihrer Musik ihrem Essen und ihrer Kultur machen die MigrantInnen diese Stadt so bunt. Eine Vielfalt, die einer Stadt Leben und Qualität gibt. Die Politik hetzt die Menschen auf einander auf. Manche Parteien haben fast kein anderes Politisches Programm außer Hetze und Hass. Wir haben es in 2 Weltkriegen gesehen, wie weit Hass gehen kann, und wie zerstörerisch es sein kann. Um bei unseren aktuellen Problemen zu bleiben: statt die Menschen zu Diskriminieren und zu unterdrücken, hätten wir an die Lösungen der Probleme gearbeitet, hätten wir kaum Probleme bezüglich sogenannte Integration von MigrantInnen. MigrantInnen dürfen nicht mehr Opfer und Spielzeug der Politik sein, sondern sie müssen selbst an der Politik teilnehmen und für ihre Rechte kämpfen. MigrantInnen in der Politik dürfen keine Ausnahme mehr, sondern die Regel sein. Dann können die Parteien nicht über unsere Köpfe hinweg über unser Leben entscheidungen treffen, die unser Leben hier, Das sowieso schwer genug ist, noch mehr erschweren. Diese Stadt gehört uns allen und wir alle tragen zum Wohlstand und zur Schönheit dieser Stadt bei. Das muss auch in den Köpfen der Menschen rein kommen, dann könnte das vielleich die Sicht der ÖsterreicherInnen über die sogenannten "Fremden" ändern. lieben Gruß zerife
Während es zwischen ehemaligen Immigranten aus Jugoslawien/Tschechien/Slowakei/... mittlerweile zahlreiche Mischehen mit Österreichern gibt, bleibt die türkische Immigrantengruppe auch nach mehreren Generationen beinahe ausschließlich unter sich. Welche Rolle misst Du der Ermöglichung und Förderung von Mischehen (Imigrant+Langzeitösterreicher) bei?
Hallo, vielen Dank für deine wichtige Frage. Eine Öffnung hat schon stattgefunden und langsam, aber doch gibt es Interkulturelle Ehen auch zwischen MigrantInnen aus der Türkei und ÖsterreicherInnen. Mir ist das Thema natürlich sehr wichtig, weil die interkulturelle Ehen auch zur beidseitigen Integration und Verständnis beiträgt. Es hat ein Umdenken in den Köpfen der MigrantInnen aus der Türkei begonnen. Sie sehen sich nicht mehr als Gäste (GastarbeiterInnen) sondern als ein wichtiger Teil dieser Gesellschaft. Sie versuchen an allen Bereichen des Lebens teilzunehmen. Immer öfter wagen sie den Schritt in die Selbstständigkeit. Sie sind nicht nur ArbeitnehmerInnen, sondern auch UnternehmerInnen. Auch in der Politik sind die MigrantInnen aus der Türkei mehr vertreten als alle anderen MigrantInnengruppen. Als Politikerin, die sich der Integrationspolitik verschrieben hat, übernehme ich große Verantwortung und viel Arbeit, um die interkulturellen Beziehungen und ein friedliches Zusammenleben (ohne die eigene Identität bzw. Kultur zu verlieren) zu ermöglichen. Ich hoffe habe ich deine Frage beantworten können und freue mich auf weitere Fragen. Lieben Gruss zerife
Hast du schon ein konkretes Projekt ins Auge gefasst, das du durchsetzen willst? Was ist das Ziel des Projekts? Wie willst du vorgehen?
lieber Alfi, vielen Dank für deine Frage, entschuldige meine verspätete Antwort. Ich war leider krank, und liege immer noch mit Fieber im Bett. Man muss das Rad nicht neu erfinden, sondern dieses neu gestalten. Ich werde bestehende Projekte, die dem friedlichen Zusammenleben in Wien dienen, unterstützen und möchte mit meinen Projekten die gegenseitige Integration unterstützen. Ich bin täglich im Kontakt mit MigrantInnen, daher höre ich ihre Wünsche, Beschwerden und Ängste immer wieder direkt an. Frauen mit Migrationshintergrund möchten sich hier mehr in die Wirtschaft einmischen. Sie haben zwar die Wille, aber oft nicht die Qualifikation und das Geld dazu. Ich möchte für diese Menschen die Möglichkeit erarbeiten, dass sie die Hilfe bekommen, die sie brauchen um diesen wichtigen Schritt zu tun. Mingo Migrant ist ein guter Schritt, reicht aber leider nicht und erreicht auch nicht viele Frauen. Denn Frauen brauchen viel mehr Unterstützung auf ihren Weg in die Selbstständigkeit. Ich möchte somit diesen Frauen helfen, sich aus der Abhängigkeit zu lösen um ihren Weg zu gehen. Natürlich dürfen wir hier den Beitrag für die Wiener Wirtschaft nicht vergessen. Noch ein Projekt, das mir sehr wichtig ist das Jugendtheaterprojekt. es heisst "tuchmeknow". Das Projekt wird von einem Theaterpädagoge geleitet. Es richtet sich an Jugendliche aus allen sozialen und ethnischen Hintergrund. Es geht dabei um Vorurteile abzubauen und miteinander respektvoll umzugehen. Das Projekt soll im Winter in einem geschlossenen Theatersaal und im Sommer in den Parks stattfinden. Wir gehen zu den Jugendlichen und reden mit Ihnen, fragen sie, was sie bewegt, was sie stört, was sie machen wollen. Wir nehmen die Antworten von den Jugendlichen und gestalten den Inhalt des nächsten Spiels. Auf jeden Fall den Jugendlichen soll den Raum und Zeit gegeben werden um sich auszudrücken und auszutoben. Sie sollen auch das Gefühl haben, dass sie zu dieser Gesellschaft gehören und hier auch willkommen sind. Bei der Politik geht es um Menschen. Wir als PolitikerInnen gestalten das Leben für die Gesellschaft. Daher müssen wir immer für Beschwerden, Wünsche und Ideen offen sein und diese auch ernst nehmen. Ich Hoffe deine Frage beantwortet zu haben. Falls du mehr wissen möchtest, stehe ich natürlich für weitere Fragen zur Verfügung. lg zerife

