Lieber Andreas! Die aktuelle Bildungspolitik ist ein sehr gutes Beispiel dafür wie Einbindung der Betroffen nicht funktionieren sollte und zwar durch "Schein-Partizipation". Das Ministerium und auch das Rektorat geben den Studierendenvertreter_innen zwar formal die Möglichkeit ihren Senf dazu beizutragen, doch in die Ergebnisse fließen die Bedenken bzw. Änderungsvorschläge nicht ein. Dadurch können sich Ministerium und Rektorat medial "abputzen" in dem sie sagen "wir haben die Vertreter_innen ja eh eingebunden" und bei den Studierenden führt das zu maximaler Frustration da viel Zeit und Energie rein gesteckt wird, das Ergebnis aber gleich schlecht bleibt. Die Proteste der Studierenden haben gezeigt das junge Menschen alles andere als Politik verdrossen sind, aber ihre eigenen Wege und Methoden haben sich aktiv einzubringen (Stichwort Web 2.0). Die Grünen müssen diese Entwicklung als Chance und Bereicherung betrachten und mehr Möglichkeiten zur aktiven Mitgestaltung bieten und nicht wie die anderen Parteien dem "Expert_innentum" verfallen. Es müssen andere Formen der Mitbestimmung gefördert werden und was ganz wichtig ist: Es darf nicht die erwähnte "Schein-Einbindung" sein, sondern muss tatsächlich ernst gemeint werden!
Fanny Rasul
Schwerpunkte: Wissenschaft, Jugend, Frauen
Dem „Hahnenkampf“ eine inhaltsstarke, linke und fortschrittliche Politik entgegenstellen!
Bio
26 Jahre
Wohnort: Penzing
- Geboren 1984 in Sulaimania/Nordirak
- 1985 Flucht mit der ganzen Familie in den Iran
- 1987 Asyl in Österreich, 1993 Österreichische Staatsbürger_innenschaft
- 2002 Schulsprecherin und Mitglied des Schüler_innenparlaments in Wien
- 2005 Referentin für Bildungspolitik, Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) Bundesvertretung
- 2007 Spitzenkandidatin der Grünen & Alternativen StudentInnen (GRAS) für den ÖH Wahlkampf
- Juni 2007 bis Juni 2009 Vorsitzende der HochschülerInnschaft an der Universität Wien (ÖH Uni Wien)
Fragen & Antworten
Was ist deine Motivation dich im Rahmen der Wiener Grünen politisch aktiv zu engagieren?
Die Schwarz-Blaue Regierung war für mich der ausschlaggebende Moment, politische Entwicklungen und Zustände nicht als gegeben hinzunehmen, sondern mich aktiv gegen Rassismus, Sexismus, Homophobie und Antisemitismus zu engagieren. Die Wiener Grünen sind für mich die einzige Partei, die meinen basisdemokratischen und feministischen Ansprüchen an Politik gerecht wird.
Was sind die bestimmenden Herausforderungen für Wien in den nächsten 10 Jahren?
Für eine aktive, kritische und aufklärerische Jugendarbeit! Jugendliche wollen nicht nur vertreten werden, sie wollen selbst mitgestalten. Zuhören nicht Bevormunden! Gerade Mädchen mit Migrationshintergrund sind noch mal ganz anders von Diskriminierung betroffen. Es braucht dringend mehr Mädchen- und Frauenräume, in denen Vernetzung, Diskussion und Austausch möglich gemacht werden kann.
Was ist deine ungewöhnlichste/innovativste Idee die Herausforderungen zu bewältigen?
Es gibt so viele Vereine, Initiativen und außerparteiliche Gruppen, die sehr gute Ideen und Vorschläge zu aktuellen Problemen haben, sei es zu bildungspolitischen Fragen, Jugendpolitik oder Stadt- und Verkehrsplanung. Mein Ziel ist durch Gespräche und Vernetzung konstruktive Lösungsansätze zu entwickeln und umzusetzen. Wir sind alle Expert_innen unserer eigenen Lebensrealität!
Frag mich was!
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Andreas Lindinger fragte 13.11.2009
Liebe Fanny! Mir gefällt die Aussage "Wir sind alle Expert_innen unserer eigenen Lebensrealität". An den Unis sieht man gerade beispielhaft wie Betroffene zu Problemen ihrer Lebensrealität konstruktiv Lösungen gemeinsam erarbeiten. Was muss grüne Politik davon lernen und wie können solche Prozesse auch in anderen Bereichen gefördert werden? Lg Andi

