Hallo Andreas, Nun, wie Du schreibst: Die anderen Partenen sind TEILWEISE nachgezogen - das heißt, es gilt noch immer Druck zu machen, dass unsere Ideen umgesetzt werden. Noch kaum bewegt haben sich die anderen beispielsweise im Bereich Wirtschaft und Arbeit: Förderung und Entwicklung der öko Branchen, schließen der Einkommensschere zwischen Arm und Reich, Männern und Frauen, Schaffung und Umverteilung von Arbeitsplätzen, so dass Jung und Alt arbeiten können, statt in Kurse bzw in die (Früh)Pension abgeschoben werden. Eine noch völlig ignorierte soziale Zeitbombe tickt bei der Entwicklung der Mietpreise. Offiziell wird immer mit den Durchschnittsmieten operiert. Die sind dank sehr günstiger Altverträge relativ niedrig. Doch wer eine Wohnung neu mietet, kann locker damit rechnen, dass alleine für die Miete, noch ohne Heizung etc. zumindest 50 Prozent des Einkommens aufgewendet werden müssen. Hier droht massive Armut. Die Geschäftsmieten wiederum bewirken, dass einerseits ganze Straßenzüge veröden, andererseits kleine Gewerbetreibende oder die vielen neuen Selbständigen sich gar nicht erst trauen, ein Geschäft aufzumachen. Auch in der Verkehrspolitik - die ja auch ein zutiefst umweltpolitisches Thema ist - sind die anderen Parteien noch meilenweit von uns entfernt. Schon kleine Maßnahmen, wie dass ein theater- oder Konzertticket oder das Ticket bestimmter an den Stadteinfahrten gelegener Park and Ride anlagen gleichzeitig ein Ticket für die Öffis sind, könnte viele Menschen zum Umsteigen bewegen. Eine Idee, die mir neulich zugetragen wurde ist, die Kfz Steuer in Wien zu erhöhen (technisch müßte das naürlich eine eigene Abgabe sein), aber dafür gilt die Zulassung auch als Fahrschein. Naja - und dass der Bildungsbereich eine Riesenbaustelle ist, wird dieser Tage ja ganz deutlich. Wobei die "Bausünden" schon lange vor der Uni beginnen, denn wie sonst läßt es sich erklären, dass bei den Eignungnstests die deutschen Nachbarn besser abschneiden, als unsere Jungen? Und zwar jene Deutschen, deren Zeugnisse für ein Studium in der Heimat nicht gut genug waren. Und ganz generell herrscht in Österreichs Politik noch immer der von oben nach unten Ansatz vor: "Wir Politiker da oben, wissen, was gut für euch ist, also seids schön ruhig und störts uns nicht." Dieser Ansatz ist aus mehreren Gründen dumm: a) die Menschen vor Ort sind die Experten. Viele von Ihnen haben wertvolles Wissen, kreative Ideen. Die nicht zu nützen ist dumm. Und die Menschen haben das Bedürfnis, gehört zu werden, sich einbringen zu können. Ihnen das zu verwehren ist arrogant und selbstgefällig - und dumm. b) Wer die Bürgerinnen und Bürger nicht zur Mündigkeit ermuntert, sie immer "klein" hält braucht sich nicht wundern, wenn diese ihre politische Verantwortung in die Hände "starker Männer" und "energischer Führer" abgeben. So, das waren ein paar frühmorgendliche Gedanken zu Deiner Frage Liebe Grüße Patricia
Bio
50 Jahre
Wohnort: Ottakring
- Aufgewachsen in der Inneren Stadt
- VS Börsegasse, 1970 bis 1976 BRG Schottenbastei, 1976 bis 1978 BRG Sperlgasse, anschließend BWL Studium an der WU
- Daneben und dazwischen Jobs u.a. in Büros, im Fremdenverkehr etc.
- Mutter von zwei erwachsenen Töchtern
- Seit 1988 freie Journalistin (u.a. Volksstimme, Presse, "Konsument"). Themenschwerpunkt alles rund um die Landwirtschaft wie z.B. alternative Energien, Umwelt, Ernährung. Weitere Themen: Immobilien, Finanzprodukte. Noch druckfrisch ein Buch über Essen mit Kindern.
- Seit 2003 bei den Grünen, seit 2005 Bezirksrätin in der Inneren Stadt.
Fragen & Antworten
Was ist deine Motivation dich im Rahmen der Wiener Grünen politisch aktiv zu engagieren?
Die Grünen sind für mich die Partei, die Probleme Jahre vor den anderen erkennt und angeht, die sich am meisten für sozial schwache Menschen und für Randgruppen einsetzt und in der es möglich ist, quer zu denken, Neues zu entwickeln. Bei den Wiener Grünen engagiere ich mich, weil Wien meine Heimatstadt ist und weil ich möchte, dass auch die Leiseren in der Gesellschaft eine Stimme erhalten.
Was sind die bestimmenden Herausforderungen für Wien in den nächsten 10 Jahren?
Wien soll eine sichere Stadt sein. Wirtschaftlich sicher, indem sie Rahmenbedingungen für Arbeitsplätze schafft, von denen die Menschen auch leben können. Sicher, indem sie die Weichen stellt, dass die Menschen wieder miteinander statt gegeneinander agieren. Sicher, indem neue Verkehrskonzepte und Maßnahmen zum Energiesparen dafür sorgen, dass den Wienerinnen und Wienern nicht die Luft ausgeht.
Was ist deine ungewöhnlichste/innovativste Idee die Herausforderungen zu bewältigen?
Keine, die nicht schon in Grünen Programmen und Konzepten steht. Ich brauche nicht das Rad neu zu erfinden und möchte viel lieber dazu beitragen, all die guten Ideen endlich umzusetzen. Obwohl: Im Laufe der Zeit ist vielleicht hie und da die Farbe abgeblättert und ein paar Dellen kann man vielleicht auch ausbessern. Aber das Konzept des Rades an sich, das passt schon ;-)
Frag mich was!
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Andreas Lindinger fragte 13.11.2009
Liebe Patricia! Du hast Recht, dass wir Grüne in der Vergangenheit Probleme Jahre vor den anderen erkannt und angegangen haben, bspw Klimaschutz oder Gentechnik. Bei diesen u.a. Themen sind die anderen Parteien mittlerweile teilweise nachgezogen. Wo sind wir deiner Meinung nach momentan anderen Parteien thematisch noch Jahre voraus? Danke! Lg Andi
Hast du eine Idee, wie Autos aus der Stadt draussen gehalten werden können, sodass mehr Strassenraum für andere Verwendung verfügbar wird, und trotzdem (fast) alle Bewohner zufrieden sind?
Hallo Unbekannte/-r! In der Inneren Stadt fordern wir Grüne seit vielen Jahren "Grüne Zonen - Parken nur für Anrainer/-innen". (mehr dazu unter innerestadt.gruene.at) Das ist natürlich für einen Bezirk wie die Innere Stadt ein besonders gutes Konzept, da es hier weit mehr Stellplätze als angemeldete Fahrzeuge gibt. Das heißt, in diesem Bezirk ließe sich auch viel öffentlicher Raum zurückgewinnen - etwa um Schanigärten vom Gehsteig in die Parkspur zu verschieben, für Bäume, wie in der Marc Aurel Straße, für Radständer vor jedem Supermarkt, vor jedem Lokal, vor jedem Kino etc. Aber auch für "Schanigärten" einer Hausgemeinschaft, eines Büros oder als Nachbarschaftstreff. Auch in Bezirken mit einem nicht so günstigen Verhältnis brächte das System deutliche Erleichterung, da es - im Gegensatz zum jetzigen Parkpickerl - eine deutliche Erschwernis für Einpendler (auch aus anderen Bezirken) brächte. Leider schaltet das Büro Schicker seit Jahren diesbezüglich auf stur und meint: "Geht nicht." Das ist aber unrichtig, da es in Österreich sehr wohl Beispiele gibt, wo das funktioniert. Ich würde ihm als Gemeinderätim gerne erklären wie. Ein weiterer, zusätzlicher Ansatzpunkt wären Maßnahmen zur Stärkung des Radverkehrs und des öffentlichen Verkehrs. Beim Radverkehr braucht es mehr Radwege, gleichzeitig soll die Verpflichtung, dass dort wo es einen solchen gibt, dieser benutzt werden muss, fallen. Unsichere Radler/-innen sollen weiterhin Radwege haben, erfahrene sollen gleichberechtigt die Straße nützen dürfen. Der Transport von Rädern in der U-Bahn (und anderen Öffis) sollte erleichtert werden u.a. durch Aufzüge, in denen man die Räder leichter transportieren kann. Auch Alltagsradler wollen manchmal nicht verschwitzt zu einem Termin kommen, oder das Wetter hat sich tagsüber geändert oder man will eine besonders unangenehme Strecke mit der U-Bahn fahren, bevor man aufs Rad wechselt. Öffis (in Wien, aber auch aus dem und ins Umland) brauchen in manchen Bereichen Taktverdichtung und sie sollten - auch bei Einzelfahrten - grundsätzlich billiger sein, als der motorisierte Individualverkehr. Park and Ride Stellplätze gehören nicht an den Wiener Stadtrand, sondern an alle Pendlerbahnhöfe im näheren und weiteren Umland. Das wären so ein paar Grüne Konzepte und ein paar ganz persönliche Ideen von mir zu dem Thema. Liebe Grüße Patricia
Liebe Patricia, nicht alle Alte sind bedürftig. Ex Beamte, viele Freiberufler, Firmenpensionisten etc. Wozu bei ihnen die Rabatte, die weitreichender sind, als dir das bewusst ist? Aus Gewohnheit?
Liebe Patricia, du bist also eine Macherin mit u.a. Schwerpunkt Alte. Was fällt dir ein zu undifferenziert reduzierten Tarifen mit Pensionistenausweis?
Liebe "Esmeralda", Meines Wissens ist mit Pensionistenausweis die Fahrt bei den ÖBB, den Wr. Linien und der Eintritt in diverse Kultureinrichtungen ermäßigt. Allerdings ist zumindest bei ÖBB und Wr. Linien die Altergrenze von 60 bzw 65 Jahren relevant. Damit fallen jene Pensionist/-innen die aufgrund langer Versicherungsdauer bereits vor Erreichen des 60. bzw. 65. Lebensjahres in Pension gehen, aus diesem Netz. Das ist insoferne problematisch, als beim Bezug der Frühpension mit Abschlägen zu rechnen ist. D.h. niedrigere Pensionen und keine Ausgleichsmöglichkeiten: Das ist eine soziale Ungerechtigkeit. Dazu kommt, dass in Östereich zur Schönung der Arbeitslosenzahlen seit Jahrzehnten Menschen sehr gezielt auch in die Frühpension abgeschoben werden. Das hat nicht nur zur Folge, dass diese Menschen häufig psychische Probleme haben, da ihnen oftmals schon ab dem, 45, 50 Lebensjahr signalisiert wird: "Ihr seid nutzlos" - sie werden auch noch mit geringeren Pensionen gestraft. Diesen Menschen ab dem Moment ihres Pensionseintritts die Teilhabe am öffentlichen Leben zu ermöglichen ist daher von großer Bedeutung. Der Wiener Sozialpass, inzwischen Mobilpass genannt, kann zwar diese Alterslücke schließen, ist aber leider nur für Sozialhilfeempfänger/-innen und Mindestpensionist/-innen. In diesem Bereich wäre eine Anhebung des maximalen Einkommens bis zu dem man zum Bezug des Mobilpasses berechtigt ist, nötig. Was die mögliche Inanspruchnahme von Senior/-innenvergünstigungen durch Personengruppen betrifft, deren Einkommen so hoch ist, dass sie diese Vergünstigungn nicht benötigen: Habe Sie da Zahlen dazu? Mir sind keine bekannt. Ich gehe allerdings davon aus, dass wer sein Leben lang im eigenen PKW unterwegs war, dies auch weiterhin so lange tun wird, wie nur möglich - mit allen negativen Folgen für die Umwelt, die der motorisierte Individualverkehr so mit sich bringt ... liebe Grüße Patricia

